Über Agri-PV
Das Projekt

Doppelt ernten: Landwirtschaft und grüne Energie auf der selben Fläche

Der Klimawandel bedroht durch starke Sonneneinstrahlung und zunehmende Extremwettereignisse wie Hagel und Starkregen unsere Ernten. Hinzu kommt eine sich verschärfende Konkurrenz zwischen Stromerzeugung und landwirtschafte Produktion um die Nutzung von Flächen. Agri-Photovoltaik (Agri-PV) könnte zur Lösung dieser Probleme beitragen: Dabei werden PV-Module über den Nutzflächen installiert, sodass fruchtbare Böden weiterhin für die Landwirtschaft nutzbar bleiben und ein zusätzlicher Witterungsschutz für die angebauten Pflanzen besteht. Strom und Nahrungsmittel können so auf ein und derselben Fläche gewonnen werden. Die hier verwendeten PV-Module sind durch deren Ausrichtung und Transparenz an die Bedürfnisse der Pflanzen angepasst. Aufgrund der betonlosen Fundamente kann die Anlage nach ihrer Nutzung rückstandslos demontiert werden. Das Potenzial der Technologie für Deutschland soll durch weitere Forschung erschlossen werden.

Baden-Württemberg als Modellregion für Agri-Photovoltaik

»Modellregion Agri-Photovoltaik Baden-Württemberg« heißt das Projekt, mit dem ein interdisziplinäres Konsortium aus über 20 Partnern den Ausbau der Technologie im Land vorantreiben will. Dies geschieht mit finanzieller Unterstützung des Landes Baden-Württemberg durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. In der ersten Umsetzungsphase (2021-2024) lag der Forschungsschwerpunkt auf Kern- und Beerenobst. An fünf Standorten in Baden-Württemberg (Bavendorf, Heuchlingen, Karlsruhe, Kressbronn am Bodensee und Oberkirch-Nußbach) wurden Agri-PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 1.700 kWp errichtet. In der zweiten Projektphase ab 2025 wird der Fokus erweitert, um die Potenziale der Agri-PV in Kombination mit der Legehennenhaltung, dem Weinbau, der Wiederaufforstung, dem Grünland und dem Ackerbau zu untersuchen. Parallel werden die in der ersten Phase gewonnenen Daten und Erkenntnisse verstärkt verbreitet, was die Aufbereitung und Bewertung der Daten sowie die Kommunikation der Ergebnisse an Landwirte, Behörden und die breite Öffentlichkeit beinhaltet. Ergänzend sollen Nachführalgorithmen entwickelt und getestet werden, die bei vollverschatteten Anlagen einen Kompromiss zwischen landwirtschaftlichem Ertrag und Stromertrag darstellen sollen.

Video

Was ist Agri-Photovoltaik?

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Für die einzelnen Zielgruppen

Bevölkerung

»Das Potenzial von Agri-Photovoltaik, gerade bei den Sonderkulturen wie Obst- und Weinbau, muss für eine erfolgreiche Energiewende ausgeschöpft werden. Wir werden deswegen weitere Pilotanlagen über verschiedenen Kulturen unterstützen.« (Aus den Koalitionsvertrag der Grün-Schwarzen Landesregierung für Baden-Württemberg, »Jetzt für morgen«).

Mit dem Bau und der wissenschaftlichen Begleitung von Agri-PV-Pilotanlagen mit verschiedenen Kulturen und Systemen in Baden-Württemberg möchten wir offene Fragen beantworten und die Technologie nachhaltig etablieren. Hier veröffentlichen wir laufend neue Einblicke und Erkenntnisse aus unserer Forschung – offen für alle, die mehr erfahren möchten.

Leseempfehlung:

Landwirt*innen

»Wir setzen uns dafür ein, dass weiterhin 80 Prozent Agrarnutzung auf der Fläche möglich sind. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die landwirtschaftlich genutzte Fläche prämienberechtigt wird.« Aus den Koalitionsvertrag der Grün-Schwarzen Landesregierung für Baden-Württemberg, »Jetzt für morgen«).

Bei der Realisierung unserer Agri-PV-Anlagen in Baden-Württemberg haben wir zahlreiche Erkenntnisse gewonnen. Vom Antrag der Baugenehmigung, über die Errichtung der PV-Seite, bis hin zum Netzanschluss. Erfahren Sie mehr über den Prozess hier!

»Kommen meine Flächen für den Bau solcher Anlagen in Frage? Wer baut die Anlagen auf? Bleiben die Flächen förderfähig (GAP-Direktzahlungen)? Werde ich meine Kulturen weiterhin bewirtschaften können?«

Auch Antworten auf diese Fragen können Sie hier finden!

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© Fraunhofer ISE

Leseempfehlung:

Gemeinden

Der rasante Ausbau dieser Technologie stellt Gemeinden überall in Deutschland vor neue Herausforderungen. Ende 2024 veröffentlichte die Hochschule Kehl ein Handbuch für Genehmigungsbehörden, das den Fokus auf die Verfahrenseffizienz der verwaltungsrechtlichen Genehmigungsverfahren legt.

Hier geht es zum Handbuch.

Wissenschaftler*innen & Akademiker*innen

Die erste große Agri-PV-Anlage in Heggelbach (Innovationsgruppe »APV-RESOLA«, 2016) konnte die Theorie bestätigen, dass das Konzept der dualen Landnutzung, insbesondere während Dürreperioden, diverse Vorteile bringt. Dennoch lassen sich noch keine allgemeingültigen Aussagen, beispielweise zu den Kombinationen von Anlagendesigns mit bestimmten Kulturen, treffen.

Das Fraunhofer ISE wird ein Standard-Monitoring-Konzept erarbeiten und im Rahmen dieses Projektes umsetzen. Das Konzept definiert in jedem Bereich die zu erfassenden Parameter, die erforderliche räumliche und zeitliche Auflösung, sowie einen Vorschlag zum entsprechenden Equipment. Mit Hilfe dieser Guideline sollen an möglichst vielen Agri-PV-Standorten identische Parameter erfasst werden können. Zukünftig sollen auch die erhobenen Monitoring-Daten hochgeladen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Mehr Informationen dazu finden Sie unter dem Menü »Monitoring«.

Ihre Fragen unsere Antworten

Aktuelle Informationen rund um Agri-PV in Baden-Württemberg

11. August 2025

EEG 2023 einfach erklärt

Mit dem EEG 2023 wurden erstmals besondere Solaranlagen als eigene Kategorie aufgenommen, die grundsätzlich auf landwirtschaftliche Flächen förderfähig sind. Im neuen Hintergrundpapier des Fraunhofer ISE erfahren Sie, wie die aktuelle Stromvergütung gestaltet ist und welche Änderungen durch das Solarpaket I (unter genehmigungsrechtlichen Vorbehalt der EU) zu erwarten sind. Mehr Infos hier.

3. Juli 2025

Konferenz voller Highlights geht zu Ende

Mit spannenden Technical Tours durch Anlagen in BW startete die bisher größte Agrivoltaics World Conference 2025. In den drei darauffolgenden Tagen präsentierten Forschende aus 35 Ländern die (Zwischen-)Ergebnisse ihrer Projekte vor rund 500 Teilnehmenden. Abgerundet wurde das Konferenzerlebnis durch weitere Exkursionen in Deutschland sowie eine lebendige Summer School. Mehr Infos hier.

30. Juni 2025

Inbetriebnahme in Neusaß II

Die vertikale Anlage „Neusaß II“ ist am 30. Juni in Anwesenheit des Landwirtschaftsministers Peter Hauk ans Netz gegangen. Die 8,8 Hektar große Agri-PV-Anlage zählt zu den größten in Deutschland. Getragen wird das Projekt gemeinsam von lokalen Partnern – den Stadtwerken Buchen und Walldürn sowie den Landwirtschaftsbetrieben Berres und Henning. Mehr Infos hier.